Rückblick: Chile-Orgelkonzerttournee

Vom 6. bis 20. Mai 2013 war ich zu Orgelkonzerten in Chile. Die Herzlichkeit der Menschen dort, von Veranstalter und Publikum hat mich beeindruckt. Das Land hat im Bereich Orgelmusik ein großes Entwicklungspotenzial, da auch jüngere Menschen daran interessiert sind, es aber nur wenige Instrumente gibt, die so gepflegt werden, dass sie sich für Konzerte eignen. In der katholischen Kirche dort wird die Musik meistens mit Gitarren vorne am Altar gestaltet.

Die pneumatische Orgel in San Ignacio in Santiago, wo am 6.5. das erste Konzert im Rahmen der 850 weltweiten Orgelkonzerte zu Ehren des 850j. Jubiläums der Kathedrale Notre Dame de Paris stattfand, verfügt zwar über eine reichhaltige spätromantisch-französische Klangfarbenpalette, ist in einem sehr restaurierungswürdigem Zustand. Hier der Prospekt und ein Blick in die sich füllende Kirche vor dem Konzert, dass mit ca. 350 Zuhörern gut besucht war.

 

 

 

 

 

 

Es gibt in ganz Chile nur zwei professionell ausgebildete Orgelspieler und keinen Orgelbauer. Für Reparaturen fliegt einer aus Argentinien ein. In den kleinen evangelischen Kirchen sind sie besser gepflegt wie z. B. die Orgel in der Lutherischen Kirche in Santiago, die bis auf die freie Kombination störungsfrei funktioniert. Bei dem Konzert dort gab mir sogar der deutsche Botschafter in Chile, Herr Blomeyer-Bartenstein, die Ehre seines Besuchs. Hier ein Video mit meiner Fantasia alla latina, aufgenommen auf dieser Orgel während der Probe für das Konzert am 17.5.13.

In Valparaiso liegen die lutherische Kirche (erbaut) 1897) und die anglikanische St. Paul's Church (1858) nur ca. 200 m voneinander entfernt.

St. Paul's erhielt 1901 eine dreimanualige, pneumatische engl. Orgel von Foster & Andrews zu Ehren des Besuchs von Queen Victoria.

Das Pfeifenwerk ist auf beide Seiten verteilt, wodurch die Pfeifen der linken Seite wegen des größeren Abstands zum Spieltisch rechts bei schnellen Figurationen später ansprechen, was bei gekoppelten Manualen etwas irritierend ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihre bisherige zweimanualige mechanische Foster & Andrews-Orgel von 1884 spendete die anglikanische Gemeinde der Lutherischen Kirche. deren spätromantische Register nach dem 2. Weltkrieg von einem dt. Orgelbauer (?) durch eine neobarocke ersetzt wurden.

Die kleinste Orgel war die zweimanualige elektrische Multiplex-Orgel von Walcker (1952) in Concepcion, die aber durch Sub- u. Superkoppeln eine gewisse Klangfülle erlangte. Auch hier galt es, mit einfachsten Mitteln das meiste heraus zu holen. Was mir als Interpret dabei nicht möglich war, wurde durch die Begeisterung des Publikums ergänzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konzertveranstalter Felipe Kohon und ich entwickelten als Resümee der erfolgreichen Tournee die Vision des Imports einer großen, gebrauchten deutschen Orgel, die als mustergültiges Instrument in der touristischen Metropole Valparaiso an repräsentativem Ort stehen soll, um dort das Orgelrepertoire mustergültig im Rahmen regelmäßiger Vorführungen und Festivals den chilenischen Musikfreunden nahe zu bringen.

Zu diesem Zweck gab es ein Treffen mit dem Christoph Schiess, Firmenchef der Firmengruppe Transoceanica, der als Kultursponsor u. a. das Kulturzentrum in Frutillar mit jährlichen Festivals errichtet hat (im Bild links, rechts Felipe Kohon). Mal sehen, was daraus wird, ich würde mich freuen dazu beitragen zu können, das Interesse an Orgelmusik in Chile zu fördern.

 

 

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